Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Hitdorf 1428 e.V.

Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e.V.


Ursprung des Schützenwesens

Aus einer Vielzahl von Quellen lässt sich ableiten, dass sich der Ursprung des Schützenwesens auf das Ende der Kreuzzüge im 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Eine der ältesten deutschen Schützenbruderschaften, die Aachener Karlsschützen, berufen sich auf das Gründungsjahr 1198. Gemäß Überlieferung könnte diese Gesellschaft aber auch schon um 800 als Palastwache von Kaiser Karl dem Großen fungiert haben.


Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch die Notwendigkeit zum Selbstschutz der Bevölkerung vor dem Raubrittertum. Sich etablierende städtische Strukturen, die sehr eigenständig und dezentral orientiert waren, verfügten nicht über ausreichende Mittel, um sich zum Schutz ein stehendes Heer leisten zu können. Die Verbreitung der Armbrust als erste effiziente Schusswaffe, die auch von nicht im Kriegsdienst erfahrenen Bürgern eingesetzt werden konnte, nutzten sie, um sich gegen sporadisch auftretende Übergriffe zu schützen. Der Wille zur Selbstverteidigung einerseits und die Notwendigkeit zur Verteidigung gegen die Bedrohung auch von Seiten Frankreichs und Englands führte bei den Bürgern zur Bildung von Gilden, die sich im Umgang mit der Armbrust übten. Aus diesem Kern breiteten sich die Schützengilden auch in das Rheinland aus.


Da der Umgang mit der Waffe zum Schutz des Gemeinwesens lebenswichtig war, musste gleichwohl in Friedenszeiten der Umgang mit den Waffen geübt werden. Hieraus entwickelten sich die Schützenfeste, in deren Mittelpunkt das Vogelschießen stand, dem Schießen auf einen Holzvogel, der auf einer aufgerichteten Stange befestigt wurde. Der Schütze der den Rest des Holzvogels von der Stange schoss, wurde zum Schützenkönig erkoren und "regierte" bis zum nächsten Schützenfest.


Mit dem Schützenwesen ist der aus unserer Nachbarstadt Monheim am Rhein stammende Hochmeister des Deutschen Ritterordens, Winrich von Kniprode eng verbunden. Er übte dieses Amt in der Zeit von 1351 bis 1384 am Sitz des Deutschen Ritterordens, der Marienburg an der Nogat, aus. Aufzeichnungen des Chronisten Simon Grunau aus Tolkemit am Frischen Haff, die dem Archiv der Stadt Dresden vorliegen, besagen, dass Winrich von Kniprode das Vogelschießen aus seiner Heimat auch im Weichselland etablierte. Aus seinen Aufzeichnungen ist die folgende Schilderung überliefert:


  1. "Item er (Winrich von Kniprode) satzte vor eine igliche (jegliche) stat ein schießbaum, und darauf ein vogel aus holtze gehawen (gehauen) wie eine henne grohs mit aufgerackten fligeln (ausgebreiteten Flügeln) und setzte ein, ein geschenk zu geben, im (ihm) der ein stuck abschosse, und der vogel gantz oder bei stucke, oder das letzte stuck abschosse, der solle könig sein das gantze jahr. Dieser trug einen übergülten(vergoldeten) vogel mit einer silbernen Kette stets am feiertag am halz und nechst dem rath ging er in der prozession...
  2. Und er machte einen schiessgarten, in welchem sie hätten eine zielstatt, da sie mit bogen und armbrosten zu schiessen und darbey wetten, wer der nechste wurde zum zeichen sein, und mit solcher weise gute schützen machten im lande, wann sie sich übten alle tag."


Aus der Beschreibung ist abzuleiten, dass jeder am Vogelschießen teilnehmen konnte. Die Würde des Schützenkönigs war in der Gesellschaft hoch angesiedelt. Durch das äußere Zeichen, der Königskette, war der Schützenkönig zu erkennen und während seiner Regentschaft auf gleicher Stufe mit den Ratsmitgliedern angesiedelt.


Es ist auch belegt, das Schützenfeste gesellschaftsübergreifende Feste waren, an denen selbst der Adel teinahm. So ist beispielsweise überliefert, dass der Kurfürst Jan Wilhelm II., auch Jan Wellem genannt, im Jahre 1711 den Königsvogel in Köln-Mülheim abgeschossen hatte. Erster überlieferter Schützenkönig aus dem Hochadel ist Kaiser Maximilian I., der noch als Erzherzog Maximilian im Jahre 1479 beim Schützenfest in Brügge den Könisvogel abschoss.


Parallel zum Schutzbedürfnis ist die Entwicklung der Bruderschaften im 14. Jahrhundert zu sehen, die grundsätzlich christliche Wurzeln hatten, deren Mitglider karitativ tätig waren und durch ihr gemeinsames christliches Auftreten in der Öffentlichkeit Ansehen erwarben. So ist überliefert, dass die "Brüder" neben der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes "familiäre" Geselligkeit untereinander in ihren Häusern pflegten. Dies geschah oft in enger Verbindung zu Zünften oder Gilden. Historiker gehen soweit, dass sie hieraus Ansätze zum Entstehen des deutschen Vereinswesen ableiten.


Der Schutz des Gemeinwesens, der als christliche Nächstenliebe in enger Verbundenheit zur Kirche verstanden wurde, ist gleichzeitig die Grundlage zur Bildung von Schützenbruderschaften, weil im Mittelalter ein weltliches Leben nur mit Bezug zu kirchlichen Grundsätzen denkbar war. Ausdruck dieses kirchlichen Bezuges ist die Wahl eines Schutzpatrons für die Bruderschaft. Für Schützenbruderschaften ist der Heilige Sebastian ein verbreiteter Schutzpatron, dessen Namen auch die Hitdorfer Schützenbruderschaft führt.


Das Schützenwesen, das ursprünglich aus einem zum Überleben der Bevölkerung notwendigen Selbstschutz entstanden ist, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer breiten Akzeptanz und hat seinen Platz auch in unserer heutigen Gesellschaft behalten, was die Anzahl der Schützenbruderschaften und die Anzahl der Mitglieder eindrucksvoll unterstreicht.


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